Die Anfänge des Rittertums Mit dem Einsatz von gepanzerten Reiterkriegern im 8. Jahrhundert gelangtem dem expandierenden fränkischen Reich nie dagewesene militärische Erfolge. Die Erfindung von Steigbügeln machte es den Kriegern möglich, vom Sattel aus Schild und Lanze zu führen, zudem war ein Reiterheer deutlich schneller und flexibler als die vergleichsweise schwerfälligen Fußtruppen. Da Pferd, Rüstzeug und Bewaffnung schon damals sehr teuer waren, begann man, den Adel mit der Gestellung dieser Reiterkrieger in die Pflicht zu nehmen. Dies war die Keimzelle des Rittertums, denn das Wort „rîter“, also „Ritter“ bedeutet nichts anderes als „Reiter“. Kämpfe und Schlachten wollten trainiert sein, man traf sich von Zeit zu Zeit auf irgendeiner Wiese, um bestimmte Angriffs- und Abwehrmanöver durchzuführen. Dies sind die Anfänge des Turniers. Von der Waffenübung zum mittelalterlichen Extremsport Erst im 11. Jahrhundert, kurz vor dem ersten Kreuzzug, nahmen Ritterturniere deutlich organisierte Formen an. Schlachten-Simulationen wie der „Buhurt“ (Massentjost mit stumpfen Waffen) und die „Mêlée“ (Schwerter- oder Keulenschlacht) verliefen allerdings so chaotisch und brutal, dass nicht nur tödliche Unfälle geschahen, sondern unter verfeindeten Rittern aus Spaß auch schnell blutiger Ernst wurde. Ein Regelwerk musste her. Mit dem Aufkommen ritterlicher Ideale und einer Verfeinerung der Sitten im 11.-13. Jahrhundert erhielt das Turnier eine repräsentative Komponente, die sich bis in die Neuzeit verstärkte. Man holte die Turniere in die Nähe von Burgen und Städten, baute Ehrentribünen und verfeinerte die Disziplinen. An die Stelle von Massenschlachten rückten Zweikämpfe, allem voran der „Tjost“, der Anritt zweier gepanzerter Reiter, die sich mit langen Lanzen aus dem Sattel stoßen. Nicht überall stießen Turniere auf Begeisterung: Papst Innozenz II. polterte gegen diese „verabscheuungswürdigen Belustigungen und Festlichkeiten, in der Sprache des Volkes Turniere genannt, an denen Ritter sich zu versammeln pflegen um ihre Stärke und tollkühne Leidenschaft zur Schau stellen“ und forderte, einem im Turnier getöteten Ritter ein christliches Begräbnis zu verweigern. Manchen jungen Ritter interessierte stattdessen viel eher, wie er die teure Ausrüstung für ein Turnier finanzieren sollte: Waffen, Rüstzeug und Pferd kosteten ein Vermögen. Wer im Turnier ritt, musste nicht nur zum Adel gehören (Bürgerliche, etwa Kaufleute und Patrizier, organisierten später eigene „Bürger-Turniere“), er brauchte auch das nötige Geld, denn bei einem verlorenen Turnier gingen Pferd, Waffen und Rüstung in den Besitz des Gewinners über. Geschichten, in denen es der brave Bauer mit den fiesen Rittern aufnimmt, gehören  ins Reich der Fantasie. Nicht nur Ritter begeisterten sich zunehmend für den Extremsport zu Pferd, auch der Hochadel, selbst Kaiser und Könige beteiligten sich im Turnier. Doch auch die Gefahr ritt mit: 1186 starb ein Bruder von Richard Löwenherz, als er nach einem Sturz von seinem eigenen Pferd niedergetrampelt wurde. 1241 kamen bei einem Großturnier in Köln über 100 Teilnehmer ums Leben. Heinrich II. starb 1559, als ein Lanzensplitter durch das Visier in seinen Kopf eindrang. Und auch Heinrich VIII. von England (der mit den vielen Frauen) erlitt schwere Unfälle: Eine Kopfverletzung brachte ihm lebenslange Kopfschmerzen, ein anderes Mal wurde er nach einem Sturz unter seinem gepanzerten Pferd begraben und lag zwei Tage im Koma. Um überhaupt zu erkennen, welcher Ritter sich unter welcher Rüstung befand, trugen die Ritter über ihrer Rüstung Wappenröcke, schmückten ihre Pferde mit zunehmend aufwendigeren Kuvertüren und ihre Helme mit völlig unpraktischem Zierrat. Je komplexer die Turniere wurden, desto wichtiger waren die Aufgaben des Herolds, eines hohen Wappenbeamten, der das Turnier organisierte, Schiedsrichter war und darüber hinaus die Zulassung der Ritter per Wappenrolle prüfte. Repräsentative Turniere Langsam aber sicher zeichnete sich im 14. und 15. Jahrhundert das Ende des Ritterstandes ab. Die Kriegstaktik hatte sich verändert, an die Stelle schwer gepanzerter Reiter rückten leichte Bogenschützen und im 15. Jahrhunderts auch Kanonen und Schusswaffen. In dem Maße, in dem das Rittertum für das Schlachtgeschehen an Bedeutung verlor, stellten sich die Elitebewussten Ritter in immer formaleren und prunkvolleren Turnieren selbst dar. Einen letzten, goldenen Höhepunkt erlebten die Ritterturniere in Gestalt der „Pas d’Armes“, in dem sich überbordende und übersteigerte Elemente der höfischen Kultur in ein formelhaftes Turniergeschehen integrieren. Eines der beeindruckendsten Turniere dieser Gattung fand 1449/50 in Frankreich statt und dauerte fast ein Jahr, begleitet von zahlreichen rauschenden Festen. Mit diesem Turnier erlebte das europäische Rittertum ein letztes, leuchtendes Abendrot. Es ist bezeichnend, dass der Initiator dieses Turniers, Jaques de Lalaing, später durch eine Kanonenkugel ums Leben kam. Moderne Ritterturniere Obwohl mittelalterliche Ritterturniere bereits seit dem 18. Jahrhundert nachgestellt werden, erlebten sie ab 1980 einen regelrechten Boom. Nicht nur im Rahmen fest installierter Festspiel-Stätten, sondern eingebunden als Show-Höhepunkt auf historischen Festen begeistern die Turniere Tausende von Zuschauern. Von besonders authentischen Turnier-Darstellungen, wie sie vor allem in Großbritannien zu finden sind, ist die Palette der Ritterturniere in Deutschland sehr unterschiedlich. Bei fast allen Turnieren steht heute die Unterhaltung des Zuschauers im Fordergrund. Die Turniere der Compania Ferrata sind nach den Gesichtspunkten moderner Shows konzipiert. Sie sind aufwendig produziert und erzählen eine spannende Geschichte, in der Schauspielerei ebenso wichtig ist wie spektakuläre Actionszenen und fulminante Spezialeffekte. Viele Zuschauer empfinden die Shows wie einen packenden Spielfilm, mit dem Unterschied, dass alles live vor ihren Augen passiert. Historische Ritterturniere © Compania Ferrata 2012 Compania Ferrata